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1. April 2006

Stinkt nicht

Twist Das Interesse war groß, als in dieser Woche die Biogasanlage in Twist vorgestellt wurde. Sogar eine Besuchergruppe aus Ulm war angereist.

Der Chef der Betreiberfirma "corntec", Herman Rugen, glaubt, dass in einigen Jahren alle zehn bis 20 Kilometer dieser Typ Anlage stehen könnte. Zumindest im ländlichen Raum. Was ist aber so revolutionär? „Früher wurden solche Anlagen rein unter Umweltschutzgesichtspunkten gebaut. Heute werden sie auch wegen der hohen Energiekosten interessant", berichtet Rugen. Die Vorteile lägen auf der Hand: Die Geruchsbelästigung, wie bei herkömmlichen Biogasanlagen, die mit Gülle betrieben werden, sei durch den hier verwendeten Rohstoff Mais kaum noch da.

Mit „nur" etwa 200 Hektar Mais, die im Jahr zur Auslastung der Anlage angebaut werden müssten, würden 500 Kilowattstunden Strom erzeugt. Die Energie werde direkt in das vorhandene Leitungsnetz eingespeist und reiche für rund 1000 Haushalte. Zudem werde Biowärme in etwa der gleichen Größenordnung erzeugt.

In Twist sind erst die unmittelbaren Nachbarn an das Netz angeschlossen. Denkbar ist aber auch die Wärmeversorgung von Schulen, Schwimmbädern und anderen öffentlichen Gebäuden. Dazu fehlt aber noch ein Leitungssystem, das erst in den kommenden Jahren ausgebaut werden solle.

Neu ist auch die Beteiligung der Landwirte an der Anlage. Mit mindestens 5000 Euro Einlage ist man hier als Kommanditist dabei. Durch das Energieinspeisungsgesetz (EEG) wird eine 20 Jahre dauernde Abnahme und Preisleistung garantiert. „Und weil die Verwendung nachwachsender Rohstoffe für die Stromproduktion vom Staat mit sechs Cent pro Kilowattstunde vergütet wird, macht das für den Landwirt 25 Euro pro Tonne Mais", rechnet Ruder vor. Für die Wärmeproduktion gebe es später nochmals rund zwei Cent pro Kilowatt vom Bund.

„Ein großer Anreiz - über ein mangelndes Interesse können wir uns nicht beschweren" freut sich Rugen. „Der Landwirt ist als Kommanditist natürlich außerdem am Gewinn der Anlage beteiligt."

Dieser Aspekt ist auch für die bayrischen Landwirte interessant, die ins Emsland gereist waren. „Bei uns in der Nähe gibt es einen großen Rasthof mit Hotel. Das braucht pro Jahr 90.000 Liter Heizöl", sagt ein Bauer, der bislang Raps, Weizen und Dinkel anbaut. „Gerade der Raps-Anbau lohnt sich aber kaum noch", berichtet er. Der Ertrag decke gerade eben die Kosten, und bei der bald fälligen Erhöhung der Steuern auf Diesel aus Rapsöl sieht er den Preis für die Feldfrucht noch weiter fallen. Für die Firma „corntec" könnten also maisgoldene Zeiten anbrechen. Denn noch seien von den mehr als 400 Biogasanlagen in Niedersachsen weniger als zehn Prozent auf Maisbasis. Bis 2011 will das vor zwei Jahren gegründete Unternehmen den Jahresumsatz von acht Millionen Euro auf rund 40 Millionen Euro gesteigert haben und nicht mehr vier, sondern 20 Mitarbeiter beschäftigen.

"Ems-Report" vom 01.04.2006