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Die Bakterien leisten ganze Arbeit
Biogasanlage Seligweiler läuft seit drei Monaten und ohne Probleme Seit drei Monaten läuft die Biogasanlage bei Seligweiler. Und die Stromausbeute ist besser als ursprünglich kalkuliert, freuen sich die Betreiber. Die Anlage kann rund 1500 Haushalte mit Strom versorgen.
VERENA SCHÜHLY Elchingen Die blauen Kegeldächer sind ein weithin sichtbarer Farbklecks. Sie gehören zur Biogasanlage Seligweiler, die seit inzwischen drei Monaten in Betrieb ist. Und die gut läuft, freut sich Peter Schuler, der das Projekt initiiert hat. Ausgelegt ist die Anlage auf 750 Kilowatt Leistung - und kann also rund 1500 Haushalte mit Strom versorgen, der auf umweltfreundliche Weise erzeugt wird - und zwar aus Mais.
Die kleingehäckselte Ernte lagert in großen Silos hinter den beiden Rundbehältern, die einen Durchmesser von 26 Metern haben. Einmal täglich wird die Silage in den 36 Tonnen fassenden Vorratsbunker gefüllt. Von dort aus wird automatisch jede halbe Stunde über Förderbänder, Schnecken und Walzen eine kleine Menge Mais aufbereitet und in den ersten Rundbehälter gespült. Dieser Fermenter hat ein Volumen von 2650 Kubikmetern, in denen die Bakterien ihre Arbeit leisten. Sie zersetzen bei etwa 40 Grad den silierten Mais, so dass Biogas frei wird, das nach oben steigt und sich unter dem Kegeldach sammelt. Durch den leichten Überdruck tragen sich die Dächer selbst. Insgesamt bleibt der Mais 70 Tage im Fermenter, ehe er ebenfalls automatisch über einen Überlauf in den Nachgärer gespült wird. Das ist der zweite Rundbehälter der Anlage.
In orangeroten Rohren wird das Biogas abtransportiert in die schallgedämmten Container, in denen sich drei identische Blockheizkraftwerke befinden mit je 265 Kilowatt Leistung. Deren Motoren verbrennen das Gas, und die Generatoren setzen die Kraft in Strom um, die dann ins Stromnetz eingespeist wird. Mit der bei der Verbrennung entstehenden Wärme wird das nahe Rasthaus Seligweiler geheizt, das sich laut Plan im Jahr dadurch 90 000 Liter Heizöl spart.
Der Rest der Silage, die nicht mehr zu verwerten ist, wandert nach 140 Tagen automatisch weiter ins Gärrestelager. Dieses ist derzeit noch nicht in Betrieb. Das flüssige Restprodukt wird später von den Landwirten abgeholt und als Dünger auf die Felder ausgebracht. Es ist zwar dunkel wie Gülle, riecht aber nicht. Peter Schuler erklärt: "Die Mais-Silage besteht zu 70 Prozent aus Wasser, auch wenn es nicht so aussieht. Die 30 Prozent Trockenmasse werden zur Energieerzeugung verwendet, indem Bakterien sie zersetzen." Das Wasser bleibt übrig, es macht die Masse im Fermenter erst breiig und später flüssig.
Biogas besteht zu etwas mehr als der Hälfte aus Methan, sprich Erdgas. In geringen Mengen sind darin überdies noch Kohlendioxid und sehr geringe Anteile von Wasserstoff und Schwefelwasserstoff enthalten. Die Entschwefelung des Gases besorgen ebenfalls Bakterien.
"Hier entsteht kein explosives Gas, sonst bekämen wir gar keine Genehmigung", stellt Peter Schuler klar. Methan ist zwar brennbar, aber ohne Sauerstoff ungefährlich. "Wenn das Dach ein Loch hätte, würde das Methan abfackeln wie bei einer Gasfackel."
Mehrmals am Tag kommt ein Mitarbeiter der Betreiber von Corntec Biogas Seligweiler, an der auch Schulers Firma Becon beteiligt ist, um nach dem Rechten zu sehen, den Vorratsbunker aufzufüllen und andere anfallende Arbeiten zu erledigen. Becon betreibt noch zwei baugleiche Biogasanlagen in Langenau und Bächingen. Alle drei Anlagen werden rund um die Uhr automatisch überwacht - und sobald eine Störung auftaucht, wird eine Meldung aufs Handy des Dienst habenden Mitarbeiters abgesetzt.
Die Biogasanlage nördlich von Thalfingen wurde Anfang Dezember in Betrieb genommen mit Substrat aus der Anlage in Langenau. Inzwischen läuft sie unter Volllast. Mit der Ausbeute ist Peter Schuler mehr als zufrieden: "Der Dauerbetrieb ist stabil und komfortabel über unserer Kalkulation." Denn statt der geplanten 36 Tonnen Silage am Tag reichen nur gut 30 Tonnen, um die gewünschte Leistung zu erzielen.
Das 2,7-Millionen-Euro-Projekt haben rund 20 Landwirte aus der Region, die auch den Mais anbauen, und zehn private Kommanditisten gestemmt. Das Eigenkapital beträgt laut Schuler 765 000 Euro, die versprochene Rendite zehn Prozent. "Es sieht so aus, dass wir das gut schaffen", ist der Geschäftsführer zuversichtlich. Vergütet wird der produzierte Strom zu Festpreisen nach dem Erneuerbaren Energie Gesetz (EEG). Wichtig ist für ihn aber nicht nur, dass die Anlage betriebswirtschaftlich läuft, sondern auch ökologisch sinnvoll ist. Denn durch sie werden pro Jahr rund 4900 Tonnen an schädlichen CO2-Emissionen vermieden. Schuler würde sich auch wünschen, dass es möglich wird, statt des Stroms direkt Gas einzuspeisen, was den Wirkungsgrad der Anlage erhöhen und Deutschland unabhängiger von Gaslieferungen aus Russland machen würde.
Die Betreiber der Biogasanlage beteiligen sich finanziell am Ausbau des Weitfelderwegs, der in den nächsten Tagen beginnen wird. Anschließend werden die Außenanlagen der Anlage fertiggestellt - und dann ist für Schuler der Aufbau in Seligweiler abgeschlossen.
Geschäftsführer Peter Schuler vor der neuen Biogasanlage nördlich von Thalfingen: In den großen Rundbehältern wird der Mais vergoren und das entstehende Gas in den blauen Containern mit den Blockheizkraftwerken verbrannt. Generatoren wandeln die Kraft in Strom um, der ins Netz eingespeist wird.

