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4. Januar 2010

„Pack den Acker in den Tank“ – Biogas für Autos

Von Elmar Stephan | Twist/Jameln (dpa) - „Pack den Tiger in den Tank“, mit diesem Slogan warb ein Ölkonzern vor zig Jahren für seine Tankstellen. Die Zeiten haben sich geändert. Der Verbrauch von Benzin aus Öl treibt die weltweite Klimaerwärmung nach oben. Der Geschäftsführer des Biogas-Anlagenbetreibers CornTec im emsländischen Twist, Hermann Rugen, würde daher den Werbespruch am liebsten ein bisschen ändern: „Pack den Acker in den Tank“. Unter diesem Motto will er Autos mobil machen. Sein Plan: Er will Biogasanlagen mit Tankstellen koppeln, an denen handelsübliche Erdgasautos befüllt werden könnten. „Autofahren wäre dann CO2-neutral“, sagt der Geschäftsmann – das Biogas wird aus Mais gewonnen, der als nachwachsender Rohstoff gilt.

Erdgasautos gibt es schon seit langem. Aber bislang ist das Tankstellennetz äußerst dünn, und daher auch die Zahl der entsprechenden Autos eher gering. „Die Marktdurchdringung fehlt“, sagt Rugen. Deutschlandweit gibt es nach Angaben des ADAC derzeit rund 850 Tankstellen. Erdgas besteht aus Methan, „dem kohlenstoffärmsten fossilen Kraftstoff“, heißt es auf der Webseite erdgas-fahren.de. Eigentlich spreche vieles für Erdgas-Fahrzeuge, meint auch Nils Linge vom ADAC Weser-Ems in Bremen. Vom Schadstoffausstoß stünden Erdgas-Autos besser da als Benziner oder Diesel-Fahrzeuge. Zwar sei das noch dünne Tankstellennetz ein Manko. „Es ist aber möglich, mit einem Erdgasauto von Nord- nach Süddeutschland zu kommen.“ Im Zeitalter der Navigationsgeräte sei es kein Problem mehr, die Tankstellen zu finden.

Die Idee, Biogas als Antriebsstoff für Autos zu verwenden, ist im Osten Niedersachsens an der Elbe schon alt. Bereits seit 2005 können Erdgas-Serienautos im Wendland mit Biogas betankt werden. Dort bietet die Raiffeisen Warengenossenschaft Jameln den Kraftstoff von den Äckern der Region an. „Das hier in der Region sehr gut angenommen worden“, sagt Chef Hans-Volker Marklewitz. Beim Start habe es kein Erdgasauto gegeben, jetzt seien etwa 200 dieser Fahrzeuge unterwegs. „In absoluten Zahlen ist das nicht so viel, aber für unsere Region ist das ganz gewaltig. Es kommen auch immer mehr Fahrzeuge hinzu“, sagt er.

Das Interesse sei bundesweit vorhanden, betont Marklewitz. „Wir haben laufend Besucher hier, die sich das ansehen“, sagt er. Und so entsteht auch die zweite deutsche Biogas-Tankstelle derzeit im Wendland, im zehn Kilometer entfernten Dannenberg – und nicht in einer anderen Region. Nicht überall seien die Voraussetzungen für eine solche Anlage vorhanden: Eine Tankstelle sollte am besten in der Nähe einer Biogasanlage gebaut werden. Außerdem müssen die Tankstellenbetreiber noch in Anlagen für eine spezielle Aufbereitung des Gases investieren.

Dass sich Biogas als Autokraftstoff weiter verbreitet, darin glaubt Hermann Rugen fest. Derzeit betreibt seine Firma in ganz Deutschland elf Biogasanlagen und er sucht nach potenziellen Standorten für Tankstellen in der Nähe der Anlagen.

Allerdings gibt es auch ethische Bedenken. Unter dem Motto „Teller oder Tank“ hatten in der Vergangenheit vor allem kirchliche Gruppen immer wieder dagegen protestiert, dass angesichts des Hungers in der Welt aus Getreide nicht Nahrung gemacht wird, sondern Biokraftstoff. „Nahrung hat Vorrang vor Sprit“, bringt Gunnar Schulz-Achelis, Pressesprecher der Hannoverschen Landeskirche im Sprengel Osnabrück, die Meinung der Evangelischen Kirche in Deutschland auf den Punkt. Aber: Die Kritik beziehe sich auf die Verknappung der Lebensmittel in der Dritten Welt, betont der Pastor. „Gegen die Nutzung von Biomasse zur Energiegewinnung ist nichts zu sagen.“ Schließlich werde das Biogas aus Futtermais gewonnen. Wichtig ist aus Sicht der Kritiker, dass der ökologische Ansatz zählt. „Letztlich ist Biogas auch ein Beitrag zum Schutz der Schöpfung“, sagt der Pfarrer.

Aus NOZ online / Welt online / Land & Forst vom 04.01.2010